Mein Schulfreund Hari

Mein Schulfreund Hari, scheint auch etwas Deutsches in sich zu haben, ist er derjenige der auch immer überpünktlich ist. So treffen wir uns jeden Morgen vor dem Klassenraum und quatschen etwas. Hari redet ein für mich sehr gut verständliches Englisch und ich glaube er genießt unsere gemeinsamen Vor Unterrichtsgespräche genau wie ich.

Hari ist Polizist, erfuhr ich heute. Vor seinem Dienstbeginn 9 UHR kommt er ins Institut um zu lernen.

Heute fragte ich ihn, ob er einmal im Chitwan NP, Nepals Dschungel Paradies, war.
Ich werde am Sonnabend mit einer Deutschen, die im Moment hier ist, 3 Tage nach Chitwan fahren, da ich noch nie dort war. Shriman geht am Sonntag zum Trekking mit Gästen aus Leipzig. Welch Zufall!

Hari war einmal in Chitwan. Allerdings war er nicht bei einer Dschungel Safari, ist nicht auf einem Elefanten durch den Dschungel geritten, hat nicht die Vielfalt der Flora und Fauna dort bestaunen können und ist nicht auf dem Fluss in einem Kanu an den riesengroßen Krokodilen dort vorbei geschippert.
So fragte er mich was ich sah bis jetzt von Nepal.
Ich erzählte, oder schwärmte ihm regelrecht vor von den verschiedenen Trekkingtouren zum Everest, rund um die Annapurna Gruppe und dem Dhaulagiri, von Helambu / Langtang Trekking, von unserem Trip nach Khotang in Ost Nepal, von Lumbini und Pokhara.
Dabei schwelgte ich in den Erinnerungen von Nepals Naturschönheiten.

Wo warst du schon, fragte ich ihn?
Er kannte nur ein paar Plätze rund um Kathmandu und die Cable Car, die zu einem kleinen Naturpark hoch fährt auf dem Weg nach Pokhara.
Mehr jedoch, vor allem die Gegenden, die Nepal in der Welt ein Stück weit berühmt gemacht haben, kannte er nichts, oder sah er noch nie mit eigenen Augen.

Er erklärte mir das er nicht so viel Geld verdient als einfacher Polizist und davon seine Familie ernähren muss und seine Fortbildung um es einmal besser zu haben.
So könne er kein geld verbrauchen um zu reisen.

Ganz ehrlich…..
in diesem Moment schämte ich mich etwas.
Ich müsste es besser wissen, aber noch immer scheine ich nicht richtig begriffen zu haben, dass Nepalesen nicht die gleichen Chancen wie wir haben ihr eigenes Land zu erkunden.

Er wird es mir nicht übel genommen haben, denn er fragte mir regelrecht Löcher in den Bauch…. wie es in den hohen Bergen aussieht, ob ich dort Schnee gesehen habe, wie die Menschen dort leben, wie sie sprechen……..alles Dinge die für mich selbstverständlich waren.

Gestern musste eine Schülerin sprechen über die Zukunft Nepals. Das ist das was ich mir für die Menschen in Nepal wünsche, ein normaleres Leben zu führen und auch die wunderschöne Natur ihres eigenen Landes kennen zulernen.

Im Unterricht lief es wieder etwas besser, ich fange an den englisch amerikanisch – britisch Mischmasch zu verstehen.
Auch fragt der Lehrer ständig, warum ich verschiedene Worte anders aus zusprechen gelernt habe.
Am Ende der Stunde erklärete er der Klasse, dass er vor etwa 20 Jahren einmal Deutsch gelernt hat und damals durcheinander darüber war, wie wir sprechen und vor allem unsere Grammatik anwenden.
Darau konnte ich mir nicht verkneifen zu antworten…….sehen sie, genauso geht es mir jetzt. Dies brachte mir einige Lacher ein.

Auf meinem Heimweg zum Bus gesellt sich immer der eine, oder andere zu mir, nicht ohne zu fragen….. kennst Du den weg, kann ich helfen?
Ist doch süss irgendwie. Vor allem aber sind sie neugierig zu erfahren, was mich ausgerechnet in ein unterentwickeltes Land wie Nepal treibt.

Ich wünschte das ich einmal in naher Zukunft auch Menschen aus unterentwickelten Ländern (die dann vielleicht fast den gleichen Lebensstandart wie wir haben) in Deutschland fragen kann, was sie zu uns treibt.
Dies, befürchte ich allerdings, werden Zukunft’s Träume bleiben.

5 Antworten zu „Mein Schulfreund Hari”.

  1. […] nach der Schule befanden H. , mein Schulfreund und ich, dass wir lange keinen heben waren. Milchtee meine ich………. Nach der […]

  2. Denst du dran in Nepal zu bleiben? Lg.Helga

    1. Nein ich glaube nicht, vorerst werde ich wieder zurück gehen. was später einmal passiert kann ich noch nicht sagen. fest steht bis jetzt fühle ich mich freier hier . doch ich denke der Tag wird kommen an dem mir etwas fehlen wird, also meine Heimat. Mit meinem Erspartem hier lebe ich gut, oder kann weit aus besser leben als viele Nepalis, nur darf ich nicht arbeiten hier ( Tourist visa). Und die Voräte sind irgendwann aufgebraucucht. Was dann? Wir sehen weiter. Auch hier braucht man Geld zum Leben, wenn es auch weniger ist. So ist nun mal die Welt. LG

  3. hallo i, ich verstehe nicht, wieso du nicht in DE die leute fragen kannst, was sie nach DE treibt? wir suchen das abenteuer, aufregende , andere, weil wir in DE alles haben oder hatten. und umgekehrt ist es doch genauso, sie suchen das, was sie in ihrem land nicht haben.
    lerne weiter schön englisch, dazu werde ich demnächst auch etwas lustiges schreiben, das meine schwester hier erlebt hat. liebe grüße

  4. Hat Dein Schulfreund Hari zufällig eine Schwester namens Gyaanu, die einen kleinen Shop in Bhudanilkantha in der Nähe einer Schule führt?!?!!? Das wäre ja verrückt….. 🙂

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